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Die Gebrüder
Grimm, oder die Brüder Grimm sind als Sprachwissenschaftler
und Sammler von Volksmärchen (Grimms Märchen) in die deutsche
Geschichte eingegangen und gelten gemeinsam mit Karl Lachmann und Georg
Friedrich Benecke als „Gründerväter“ der Deutschen Philologie oder
Germanistik.
Die Familie Grimm
ist in Hanau beheimatet gewesen. Der Urgroßvater, Friedrich Grimm der
Ältere (1672-1748), und der Großvater, Friedrich Grimm der Jüngere
(1707-1777), waren Geistliche des calvinistischen Glaubensbekenntnisses.

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Gebrüder Grimm
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Stammliste der Familie Grimm
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Studienzeit
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Frühe Arbeiten in Kassel
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Grimm und die „Deutsche Grammatik“
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Arbeiten in Kassel
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Göttingen
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Die Zeit in Berlin
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Nachfahren
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Sonstiges
Jacob Grimm wurde
am 04. Januar 1785 in Hanau († 20. September 1863 in Berlin) und
Wilhelm
Grimm am 24. Februar 1786 ebenfalls in Hanau († 16. Dezember 1859 in
Berlin) geboren. Die Eltern Dorothea und Philipp Wilhelm Grimm hatten in
ihrer Ehe insgesamt neun Kinder, von denen drei schon als Säuglinge
starben. Das Geburtshaus der Brüder Grimm befand sich am alten
Paradeplatz in Hanau. Die Jugend verbrachten die beiden dann aber in Steinau a.d.Str., wo der Vater eine Stelle als Amtmann angenommen hatte.
Besonderen Ruhm
erlangten beide durch ihre Sammlung „Kinder- und Hausmärchen“ (2 Bde.,
1812-1815), an deren Zusammenstellung und Bearbeitung besonderen Wilhelm
großen Anteil hatte und durch die Arbeit am „Deutschen Wörterbuch“ (ab
1838, 1. Bd. 1854). Von Wilhelm Grimm wurden auch Altdänische
Heldenlieder, Balladen und Märchen veröffentlicht. Jacob Grimm hat sich
um die deutsche Sprache verdient gemacht, er formulierte 1822 das erste
Lautgesetz für die germanischen Sprachen, das bis heute unter „Erste
Lautverschiebung" bekannt ist.
Beide studierten
in Kassel und nach dem Studienabschluss 1806 datiert der Beginn des
Hauptwerkes der uns bis heute bekannten Sammlung von Märchen und Sagen.
Die auf Veranlassung von Achim von Arnim und Clemens Brentano von Jacob
und Wilhelm Grimm gesammelten Märchen wurden nach alten, vorwiegend
mündlich überlieferten Geschichten von ihnen aufgeschrieben und
bearbeitet.
Eine ihrer wichtigsten Quellen waren die
Märchen, die die aus
einer
französischen
Protestanten Familie stammende
Dorothea Viehmann den Brüdern erzählte. Es ist das bleibende
Verdienst von Wilhelm Grimm,der mit der Bearbeitung die weitere
Verbreitung gesichert und mit der kritischen Untersuchung zu Quellen und
Entwicklung der Volksmärchen die
Märchenkunde als Wissenschaft begründet hat.

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Friedrich Grimm (der
Ältere) (* 16. Oktober 1672 in Hanau; † 4. April 1748 in Hanau)
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Friedrich
Grimm (der Jüngere) (* 11. März 1707; † 20. März 1777) ∞ 6.
Oktober 1734 Christine Elisabeth Heilmann (* 22. Oktober
1715 in Birstein; † 6. Oktober 1734)
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Juliane
Charlotte Frederike Grimm (* 1735; † 1796 in Hanau) ∞
Schlemmer († 1785)
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Philipp
Wilhelm Grimm (* 9. September 1751; † 10. Januar 1796) ∞
23. März 1783 Dorothea Zimmer (* 20. November 1755 in
Kassel; † 27. Mai 1805)
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Friedrich Hermann Georg Grimm (* 12. Dezember 1783;
† 16. März 1784)
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Jacob
Ludwig Carl Grimm (* 4. Januar 1785 in Hanau; † 20.
September 1863 in Berlin)
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Wilhelm Carl Grimm (* 24. Februar 1786 in Hanau; †
16. Dezember 1859 in Berlin) ∞ 15. Mai 1825
Henriette Dorothea Wild (* 23. Mai 1795; † 22.
August 1867)
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Jacob Grimm (* 3. April 1826; † 15. Dezember
1826)
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Herman Friedrich Grimm (* 6. Januar 1828; † 16.
Juni 1901) ∞ 25. Oktober 1859 Gisela von Arnim
(* 30. August 1827; † 4. April 1889)
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Rudolf Georg Ludwig Grimm (* 31. März 1830; †
13. November 1889)
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Auguste Luise Pauline Marie (* 21. August 1832;
† 9. Februar 1919)
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Carl
Friedrich Grimm (* 24. April 1787 in Hanau; † 25.
Mai 1852)
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Ferdinand Philipp Grimm (* 18. Dezember 1788 in
Hanau; † 6. Januar 1845)
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Ludwig
Emil Grimm (* 14. März 1790 in Hanau; † 4. April
1863)
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∞
25. Mai 1832 Marie Böttner (* 9. August 1803; †
15. August 1842);
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Friederike (Ideke) Lotte Amalia Maria Grimm
(* 23. Juli 1833; † 17. Dezember 1914) ∞ 19.
August 1854 Rudolf von Eschwege (* 22.
Januar 1821; † 24. November 1875)
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∞
14. April 1845 Friederike Ernst (* 24. Dezember
1806; † 1894)
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Friedrich Grimm (* 15. Juni 1791; † 20. August 1792)
-
Charlotte Amalie Grimm (Lotte) (* 10. Mai 1793; †
15. Juni 1833) ∞ 2. Juni 1822 Hans Daniel Ludwig
Friedrich Hassenpflug (* 26. Februar 1794 in Hanau;
† 10. Oktober 1862 in Marburg)
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Karl Hassenpflug (* 5. Januar 1824; † 18.
Februar 1890), Bildhauer, kinderlos verstorben
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Agnes (* 11. Dezember 1825; † 29. Oktober 1829)
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Bertha (* 27. April 1829; † 9. Juni 1830)
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Friedrich (* 10. September 1827; † 23. Januar
1892 in Breslau). Oberlandesgerichtsrat in
Breslau, verheiratet mit Anna Volmar, Tochter
eines Ministerkollegen seines Vaters
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Luis (*1. Dezember 1831; † 11. Oktober 1878 auf
Malta), Offizier der Österreichischen
Kriegsmarine, verheiratet, kinderlos
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Dorothea (*23. Mai 1833; † 1898 in München)
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Georg
Eduard Grimm (* 26. Juli 1794; † 19. April 1795)
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Neun
weitere Kinder
-
Sechs weitere
Kinder

Um den ältesten
Söhnen eine angemessene Bildung für eine eventuelle spätere Laufbahn als
Juristen zu ermöglichen, schickte die Mutter die beiden im Herbst 1798
nach Kassel zu ihrer Tante. Jacob besuchte die Philipps-Universität in
Marburg und studierte dort Rechtswissenschaft, sein Bruder Wilhelm
folgte ihm ein Jahr später. Einer ihrer Lehrer, Friedrich Carl von
Savigny, eröffnete den wissbegierigen jungen Studenten seine
Privatbibliothek und machte den beiden, die bereits mit Werken von
Goethe und Schiller vertraut waren, mit Werken der Romantik und des
Minnesangs bekannt. Auch Johann Gottfried Herder hatte mit seinen
Ansichten über die Dichtung der Völker wesentlichen Einfluss auf Jacob
und Wilhelm. Sie entwickelten sich jedoch nicht zu Romantikern, die vom
„gotischen Mittelalter“ schwärmten, sondern waren Realisten, die in der
fernen Vergangenheit die Wurzeln für die zeitgenössischen Zustände
sahen. So untersuchten sie die geschichtliche Entwicklung
deutschsprachiger Literatur (Sagen, Urkunden ebenso wie Dichtung) und
legten dabei die Grundlagen für eine wissenschaftliche Behandlung dieses
Arbeitsgebietes. Ganz im Sinne Herders beschränkten sie sich dabei nicht
auf deutschsprachige Urkunden. Englische, schottische und irische
Quellen waren bereits in Mode; sie dehnten ihren Arbeitsbereich auf
Skandinavien, Finnland, die Niederlande, Spanien und Serbien aus.

In die Zeit eines
sparsamen und zurückgezogenen Lebens nach dem Studienabschluss 1806
datiert der Beginn der Sammlung von Märchen und Sagen, die uns heute als
eines der Hauptwerke der Brüder bekannt sind. Die von Jacob und Wilhelm
Grimm auf Veranlassung von Achim von Arnim und Clemens Brentano
gesammelten Märchen entstanden nicht aus ihrer eigenen Fantasie, sondern
wurden nach alten, vorwiegend mündlich überlieferten Geschichten von
ihnen gesammelt und zusammengetragen und mehr oder minder stark
überarbeitet, im Ausdruck und Aussage geglättet und geformt. Eine ihrer
wichtigsten Quellen waren die Märchen, die die aus hugenottischer
Familie stammende Dorothea Viehmann den Brüdern erzählte. Es ist das
bleibende Verdienst von Wilhelm Grimm,der mit der Bearbeitung die
weitere Verbreitung gesichert und mit der kritischen Untersuchung zu
Quellen und Entwicklung der Volksmärchen die Märchenkunde als
Wissenschaft begründet hat.
Nach dem Tod der
Mutter musste Jacob Grimm mit 21 Jahren als Ältester der Familie für
deren Unterhalt sorgen. Seit 1807 hatten Jacob und Wilhelm Aufsätze über
Minnesang in Fachzeitschriften veröffentlicht. Nach dem Kuraufenthalt
Wilhelms in Halle waren die Brüder wieder gemeinsam in Kassel und 1811
veröffentlichten sie ihre ersten selbständigen Bücher: Jacob über
„Altdeutschen Meistersang“ und Wilhelm Grimm „Altdänische
Heldenlieder, Balladen und Märchen“. 1812 folgten das erste
gemeinsame Buch der Brüder (eine Ausgabe des althochdeutschen
Hildebrandlieds und des Wessobrunner Gebets) und zu Weihnachten der
erste Band der „Kinder- und Hausmärchen“. Zu dieser Zeit
versuchten sich die Brüder auch an einer deutschen Ausgabe der „Edda“
sowie des „Reineke Fuchs“. Von der Edda erschien 1815 nur ein
erster Band, der keine Fortsetzung fand, da die Brüder Grimm auf diesem
Gebiet von anderen Forschern überholt wurden. Den „Reinhart Fuchs“
in mehreren mittelalterlichen Versionen gab Jacob erst 1834 – dann
allerdings mit einer umfangreichen Einleitung über das Wesen des
Tierepos heraus. Von 1813 bis 1816 brachten die Brüder darüber hinaus
drei Bände der Zeitschrift „Altdeutsche Wälder“ heraus, die
altdeutsche Literatur zum Inhalt hatte und dann wieder eingestellt
wurde.
1814 bezogen die
Brüder Grimm zusammen mit ihrer Schwester Charlotte (Lotte) (* 1793; †
15. Juni 1833) eine Wohnung im – heute noch erhaltenen – nördlichen
Torhaus am Wilhelmshöher Tor. Bereits 1815 veröffentlichte Jacob neben
einem Buch zur mythologischen Deutung von Götterbildern und -säulen
(„Irmenstraße und Irmensäule“) auch „Silva de romances viejos“,
eine kritische Auswahl altspanischer Romanzen.
1815 konnten die
Brüder den zweiten Band der „Kinder- und Hausmärchen“ vorlegen, im Jahr
1819 wurde der erste Band stark überarbeitet neu aufgelegt: Es kamen
weitere Märchen hinzu, etwa ein Viertel der Geschichten wurde gestrichen
und fast die Hälfte der verbliebenen Märchen überarbeitet, häufig um die
als anstößig empfundenen erotischen Anspielungen zu beseitigen. Die
Anmerkungen zu den Märchen beider Bände wurden 1822 als dritter Band
veröffentlicht. Im Jahr 1825 erfolgte die Herausgabe einer „Kleinen
Ausgabe“ der Kinder- und Hausmärchen in einem Band, die maßgeblich zur
Popularität des Stoffes beitrug. Für diese Aufgabe konnten die Brüder
ihren Bruder Ludwig Emil als Illustrator gewinnen. Ab 1823 wurde eine
illustrierte englische Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen
veröffentlicht. Bereits zu Lebzeiten der Brüder erschienen sieben
Auflagen der großen deutschen Ausgabe der Märchen und zehn Auflagen der
kleinen Ausgabe.
In den Jahren
1816 und 1818 erschienen die beiden Bände einer Sagensammlung
(„Deutsche Sagen“), die allerdings nicht den breiten Erfolg hatte
wie ihre Märchensammlung. Die Brüder hatten zuvor gleichermaßen Märchen
und Sagen gesammelt. Eine gattungsmäßige Abgrenzung kann nur schwer
erfolgen und wurde auch durch die Brüder nicht konsequent durchgeführt.
Definitionsversuche beziehen sich beispielsweise darauf, ob die Sagen
von Erzählern und Publikum im allgemeinen geglaubt wurden, die Märchen
hingegen nicht, oder dass Sagen an konkrete historische oder örtliche
Bezugspunkte gebunden sind, während die Märchen zeitlich und lokal nicht
näher fixiert sind. Beide Gattungen sind Erzählformen aus der mündlichen
Überlieferung, wobei die Brüder Grimm sie für ihre Sammlungen zu großen
Teilen nur über schriftliche Zwischenstufen gewannen. Die Sagensammlung
wurde zu Lebzeiten der Brüder nicht neu aufgelegt.
Eine weitere
herausragende Leistung von Wilhelm ist „Die deutsche Heldensage“,
eine Schrift, die nicht nur eine Sammlung von Sagen vom 6. bis zum 16.
Jahrhundert darstellt, sondern wertvolle Aufsätze zu Stoffen, ihrer
Geschichte und der künstlerischen Verarbeitung enthält. Im Verlauf der
Arbeiten an den Sagen und Volksmärchen entwickelten die Brüder die
„indogermanische Hypothese“.
Im Alter von 30
Jahren hatten sich Jacob und Wilhelm Grimm durch ihre zahlreichen
Publikationen bereits eine herausragende Stellung erarbeitet. Sie lebten
gemeinsam in Kassel, bis 1814 nur von Jacobs Gehalt und aus dem ererbten
Familienvermögen. Neben der formellen offiziellen Tätigkeit als
Bibliothekar (Jacob) bzw. Sekretär der Bibliothek (Wilhelm) konnten sie
vor Ort ihre eigenen Forschungen vorantreiben, die im Jahr 1819 von der
Universität in Marburg mit einer Ehrendoktorwürde honoriert wurden.
Ohne Förderer und
Gönner hätten die Brüder Grimm über Jahre nicht in diesem Maße
publizieren können. Aus der frühen Zeit sei hier Kurfürstin Wilhelmine
Karoline von Hessen genannt. Nach deren Tod 1820 bzw. dem Tod des
Kurfürsten 1821 mussten die Brüder das Haus in der Wilhelmshöher Straße
räumen und gemeinsam mit ihrer Schwester Lotte eine schlechtere Wohnung
beziehen. Lotte, die den Brüdern bislang den Haushalt geführt hatte,
heiratete wenig später den mit der Familie befreundeten Juristen und
späteren kurhessischen Minister Ludwig Hassenpflug (* 1794; † 1862) und
verließ die Brüder, die fortan mehrfach die Wohnungen wechselten und
über mehrere Jahre einen gemeinsamen Junggesellenhaushalt führten.

In diese kreative
Zeit in Kassel fiel die Arbeit Jacob Grimms an der „Deutschen
Grammatik“. Der Titel ist irreführend, denn es handelt sich nicht um
eine trocken-schematische Beschreibung des Aufbaus der zeitgenössischen
Sprache. Jacob wollte vielmehr „ein historisches Leben mit allem Fluß
freudiger Entwickelung in sie zaubern“. Das umfangreiche Werk
bezieht sich auf sämtliche germanische Sprachen, ihre Zusammenhänge und
ihre geschichtliche Entwicklung. Der erste Band beschäftigte sich
zunächst mit Flexion, der zweite mit Wortbildung. Er stellte kein
vollständiges Manuskript fertig, sondern ließ Druckbogen für Druckbogen
drucken, sobald er die benötigte Menge Text geschrieben hatte. Der Druck
des Ersten Bandes entsprach mit einer Zeitdauer von 14 Monaten ab Januar
1818 bis Sommer 1819 genau dem Zeitraum, an dem Jacob Grimm an dem Werk
gearbeitet hat. Bis 1822 überarbeitete er den ersten Band nochmals
komplett, so dass dieser nun eher die Lautbildung zum Inhalt hatte. Wie
zuvor beim ersten Band schrieb und druckte er wieder Druckbogen für
Druckbogen, und führte dieses Prinzip auch bis 1826 mit dem nun erst
offiziell zweiten Band der „Deutschen Grammatik“ fort.
In diesem
bahnbrechenden Werk verfolgte Jacob als Erster die Entwicklung der
(heute „indoeuropäisch“ genannten) Sprachen und die Gesetze des
Lautwechsels bei Vokalen und Konsonanten. Damit legte er das Fundament
für die moderne Etymologie, die Forschung zum Bedeutungswandel in
verschiedenen (verwandten) Sprachen. Jacob schrieb hierzu selbst:
„Wissenschaftliche Wortforschung konnte weder bei Griechen und Römern,
geschweige in unserem Mittelalter gedeihen... Solchem ratlosen und
unbehaglichen Schweifen auf dem wogenden Meer der Wörter wurde endlich
gesteuert durch den Vortritt der bisher noch unerforschten
Sanskritsprache sowie den Zutritt der deutschen, slawischen, litauischen
und der übrigen europäischen Idiome in den wissenschaftlichen Kreis der
Untersuchungen.“ Ihm war auch klar, dass die Vertreter der
klassischen Philologie (Latein, Griechisch und Hebräisch) kein Interesse
daran hatten, weitere Sprachen näher zu untersuchen, da sie diese als
barbarisch ansahen.
Jacob Grimm hatte
jedoch Vorläufer: 1787 hatte William Jones in Bengalen auf Grund des
Aufbaues und der Wortwurzeln das Sanskrit mit den altpersischen,
griechischen, lateinischen, gotischen und keltischen Sprachen verglichen
– dies jedoch noch nicht systematisch. Der junge Däne Rasmus Christian
Rask hatte – einer Forderung Wilhelm von Humboldts folgend – ebendies in
Angriff genommen. Jacob Grimm kannte (und besprach) dessen Schrift und
begann, Wortbildung und Lautentwicklung im Altnordischen mit denen im
Slawischen bzw. Griechischen zu vergleichen. In der Deutschen
Grammatik wurden erstmals die frühesten, dann die späteren und
schließlich die jüngsten Entwicklungsstufen der betrachteten Sprachen
vergleichend behandelt. In der zweiten Auflage konnte er die Erkenntnis
darlegen, dass die von Rask aufgedeckten lautlichen Entsprechungen nicht
(zufällige) Einzelerscheinungen waren, sondern einer Gesetzmäßigkeit
folgten. Diese Regel wird von angelsächsischen Forschern bis heute
Grimm’s law genannt. Er erkannte auch, dass es nicht nur eine,
sondern zwei derartige Verschiebungsphasen gegeben hatte.

Im Jahr
1814 übersetzte Jacob die serbische Grammatik seines Freundes Vuk Stefanović Karadžić
und versah sie mit einer Einführung in slawische Sprachen und ihre
Literatur. Wilhelm hatte inzwischen mehrere Bücher über Runen
veröffentlicht, sein von ihm selbst als Hauptwerk betrachtetes Buch
„Die deutsche Häldensage“ (siehe oben) erschien 1829. Gleichfalls
bahnbrechend war Jacobs Studie „Deutsche Rechtsaltertümer“
(1828), in der er sich nicht mit Gesetzesvorschriften, sondern mit
mittelalterlicher Rechtspraxis und Rechtsanschauung befasste. Sie wurde
Anlass zu entsprechenden Untersuchungen in einer Reihe anderer Länder.
Erst als Wilhelm
im Mai 1825 Dorothea Wild geheiratet hatte, festigten sich die
Lebensumstände der Brüder wieder, die weiterhin, nun zu dritt,
zusammenlebten. Wilhelm und „Dortchen“ wurden alsbald Kinder geboren
(1828 Herman Grimm) und von häufigen Reisen der Grimm-Brüder wird
berichtet.

Auch nach dem Wegzug von
Kassel unterhielten die Brüder in Göttingen einen gemeinsamen Haushalt.
Jacob war seit 1830 ordentlicher Professor, Wilhelm Bibliothekar und ab
1835 ebenfalls Professor. Jacob veröffentlichte bis 1837 zwei weitere
Bände der „Deutschen Grammatik“. Im Jahr 1834 konnte er auch den 1811
begonnenen „Reinhart (Reineke) Fuchs“ fertigstellen und 1835 ein
Werk über „Deutsche Mythologie“. In diesem Werk untersuchte Jacob
vorchristliche Glaubensvorstellungen und Aberglauben und stellte sie
klassischer Mythologie und christlichen Legenden gegenüber. Auch dieses
Werk hatte enormen Einfluss – dieses Mal auf die Mythenforschung. Die
dritte Auflage der Kinder- und Hausmärchen wurde 1837 von Wilhelm
beinahe allein besorgt. 1838 begannen Jacob und Wilhelm Grimm ihre
gemeinsame Arbeit am Deutschen Wörterbuch.
Wie bereits
früher schon widmete Jacob sich auch in dieser Zeit der Namenkunde: er
schrieb über die germanischen Göttinnen Tanfana und Freia, die
thrakische Göttin Bendis und ihre Namen, über hessische Ortsnamen, den
Namen des Landes Westfalen, und untersuchte Gesetzmäßigkeiten bei der
Bildung von Eigennamen. Er wies darauf hin, dass in Namen frühe
Wortformen bewahrt sein können, die in der Umgangssprache untergegangen
sind.
In politischer
Hinsicht arbeiteten die Brüder Grimm mit darauf hin, die damaligen
deutschen Kleinstaaten zu vereinen, sowohl indirekt durch die
Erforschung der deutschen Kulturgeschichte als auch durch politische
Aktivitäten, von politischer Publizistik bis zu Jacob Grimms Tätigkeit
als Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung 1848. Jacob und
Wilhelm halfen mit, die Menschenrechte in Deutschland zu formulieren.
Für eine Streitschrift gegen einen Verfassungsbruch des Königs von
Hannover, König Ernst August I., wurden sie, und mit ihnen fünf andere
Professoren, entlassen und Jacob des Landes verwiesen (Göttinger
Sieben). Ein überregionales Komitee von Bürgern mit Zentrum in Leipzig
zahlte den entlassenen Professoren aus Spendengeldern vorerst die
Gehälter weiter. Während die Brüder Grimm ohne Anstellung waren,
unterbreiteten die Leipziger Verleger Karl Reimer und Salomon Hirzel
ihnen den Vorschlag für das „Deutsche Wörterbuch“, „den Grimm“, der ohne
die Göttinger Entlassung so nicht entstanden wäre. Sie selbst arbeiteten
das Wörterbuch bis zum Buchstaben D (Wilhelm) bzw. F (Jacob) aus. Sie
konzipierten das Wörterbuch als Sammlung sämtlicher Wörter aus der Zeit
„von Luther bis Goethe“, die weniger ein Regelwerk, als vielmehr eine
Naturgeschichte der Wörter sein sollte. Im Mittelpunkt der einzelnen
Wortartikel steht die Bedeutungsgeschichte des jeweiligen Wortes; die
historische Verwendungsweise wird anhand von Belegzitaten aus Hunderten
von literarischen Werken, aber auch aus Fachsprachen und aus dem
Alltagsgebrauch nachvollzogen. Bei der Sammlung der Belege standen den
Brüdern Grimm zahlreiche Helfer zur Seite, die zumeist zum Kreis ihrer
Freunde und wissenschaftlichen Kollegen gehörten oder ihnen von Freunden
und Kollegen vermittelt wurden. Die Sammlung der Belege wurde ebenso wie
die Ausarbeitung des Wörterbuchs durch den Verlag bezahlt. Für das
Großprojekt des Wörterbuchs mussten die Brüder Grimm eigene Pläne und
laufende Arbeiten zurückstellen, was ein Grundproblem ihrer letzten
beiden Lebensjahrzehnte werden sollte.

Drei Jahre lang
lebten die Grimms in Kassel im Exil und ohne Anstellung, obwohl sich
verschiedene Anstalten im In- und Ausland um sie bemühten, bevor der
neue preußische König Friedrich Wilhelm IV. sie unmittelbar nach seiner
Amtsübernahme nach Berlin holte.
Rund 20 Jahre
lang lebten sie in Berlin, nunmehr unbelastet von finanziellen
Ungewissheiten. In Akademieabhandlungen (später gesammelt in den
Ausgaben ihrer „Kleineren Schriften“), die sie in dieser
Zeitspanne verfassten, ist viel Lesenswertes über ihre Forschungen, ihre
Interessen und ihre liberalen politischen Ansichten zu finden. Auch die
„Geschichte der deutschen Sprache“ entstand in dieser Zeit - ein
erster Versuch, Sprachgeschichte mit Sozialgeschichte zu verknüpfen.
Wilhelm Grimm
verstarb 1859, sein Bruder Jacob 1863. Viele Institutionen in ganz
Europa waren stolz, dass sie sie zu ihren (Ehren-)Mitgliedern zählen
konnten. Auch im Tod sind sie beisammen: sie liegen auf dem Alter
St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin (Schöneberg).
Georg Curtius
schrieb 1871 über Jacob Grimm, sein ungestümes Schaffen habe dringend
des Korrektivs kritischerer Geister bedurft: „… Auch traf es sich
glücklich, dass Wilhelm Grimm, weniger kühn und umfassend, aber auf
beschränkteren Feldern fein und sorgfältig, dem verwegenen Jacob zur
Seite stand.“ So ergänzten sich der Wegweiser und der Moderator und
eröffneten den Geschichts- und Sprachforschern ungeahnte, weite
Arbeitsgebiete.

Nachfahren finden
sich unter anderem in Donauwörth, auch hier zwei Brüder, und in
Haldensleben bei Magdeburg. Hier wird auch ein Teil des Nachlasses der
Brüder Grimm im Städtischen Museum ausgestellt (Grimm-Ausstellung
Haldensleben).

- 1896 wurde in Hanau das
Brüder Grimm-Nationaldenkmal geschaffen.
- Die Wohlfahrtsmarken der
Deutschen Bundespost von 1959 bis 1967 erinnerten mit den Märchen
der Gebrüder Grimm an Jacob und Wilhelm Grimm
- Zur Erinnerung an die
Brüder Grimm wurden Brüder-Grimm-Preise errichtet:
- Der Jakob- und
Wilhelm-Grimm-Preis des DAAD.
- Der
Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Preis wurde vom Minister für Hoch-und
Fachschulwesen der DDR verliehen.
- Bei der 1991 aufgelegten
letzten Serie von DM-Banknoten wurden die Brüder Grimm auf dem
Tausender-Schein abgebildet.
- Mit der Sammlung,
Dokumentation und wissenschaftlicher Erforschung zu Leben, Werk und
Wirkung der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm befassen sich unter
anderem das Brüder Grimm-Museum in Kassel und das Brüder Grimm-Haus
in Steinau an der Straße. Der Großteil ihres wissenschaftlichen
Nachlasses befindet sich in der Staatsbibliothek zu Berlin und im
Hessischen Staatsarchiv Marburg, mehrere tausend Bände ihrer
persönlichen Bibliothek sind seit 1865 im Besitz der
Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin, welche
bis 2009 ein neues Gebäude erhält, das den Namen Jacob und Wilhelm
Grimm-Zentrum tragen wird.
- 2005 wurde das Grimmsche
Handexemplar der Kinder- und Hausmärchen in das Weltdokumentenerbe
der Unesco aufgenommen.
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